Interview mit Ingo Schweinsberg aus der Sparte Sportschießen nach den erfolgreichen Deutschen Meisterschaften 2018 der Hörenden: DEUTSCHER MEISTER 2018

Zuerst einmal „Hallo Ingo“.

Habe die Ehre Michel.

Wie fühlst du dich nach so tollen Wettkämpfen am Wochenende?

Für mich war das olympische Wochenende richtig gut. Ich habe mir schon richtig vorgestellt, welche Chance auf mich zukommt. Das Ganze ist dann mehr geworden als gedacht. Bin selbst überrascht und kann nur sagen, wow.

Gratulation zu deinen tollen Leistungen am Wochenende in München bei Meisterschaften der Hörenden. Erzähl uns ein wenig davon! Ist das möglich?

Die letzten 8 Wochen kam ich aus familiären und beruflichen Gründen nicht dazu, irgendeine Disziplin zu trainieren. Ich hatte schon innerlich gespürt, dass ich richtig gut drauf bin. Hätte ich Zweifel an meiner Leistung, hätte ich vorher trainiert und nach der Ursache geschaut. Was hier am Wochenende ablief, war ich über meine Leistung sehr überrascht. Ich kann nur auf mich stolz sein. Es hat einfach alles gepasst.

Du hast bei mehreren Disziplinen teilgenommen Welche? Und Warum? 

Von 9 beginnende Disziplinen habe ich mich bis hin zur DM in 6 Disziplinen qualifiziert. Bei Folgenden Disziplinen habe ich teilgenommen: 3×40, Liegend, Luftgewehr, 3×20 und 50m Gewehr sowie 100m Gewehr. Ich habe es für mich und meine Mannschaft getan.

Kannst du uns ein wenig von der Meisterschaft KK 3×40 (Schuss)vom Freitag, den 24.08.2018 erzählen?

3×40 ist die Größte und Längste Disziplin überhaupt im Schießsport. Man müsste zusammen 120 Wettkampfschüsse haben, dazu kämen die Probeschüsse für jede Stellung. Dreistellung ist kniend, liegend und stehend. Als ich in kniend-Anschlag kam, habe ich sofort gemerkt, wie stabil und ruhig ich die Waffe halten kann. Das Ergebnis von 384 war stark. Dann im liegend war für mich reine Routine, hatte bisher kaum Probleme. Wichtig allerdings ist, dass die Munition zu der Waffe passt. Am Ende ist stehend angesagt, während des Probeschießens war ich über den guten Ablauf begeistert, so dass ich auf den Knopf auf Wettkampf gedrückt habe. Ich war mental gut gefasst. Von Schuß zu Schuß nur sagenhafte schöne Treffer. Es war einfach geil. Nach Ende der Wettkampfzeit erfuhr ich, dass ich offiziell Deutscher Meister geworden bin und mit 9 Ringe großen Vorsprung hatte. Und das unter den Hörenden. 

Du bist ja schon über 40 Jahre und kein Talent mehr. Wie sehen deine weiteren Zukunftspläne in der Sparte Sportschießen aus?  Nimmst du an weiteren Meisterschaften/Wettkämpfen 2018 teil?

Ja, man sieht mir schon an, wie „veraltert“ ich bin. So lange ich noch halten und sehen kann, mache ich weiter. Keine Frage. Für die Sparte Sportschießen bin ich für die Kameraden da, wenn sie Hilfe brauchen. Ich bin seit 2003 Spartenleiter im Sportschießen. Im Laufe der Zeit ändert sich oft auch die Bürokratie, es ist schon belastend. Aber ich kann die Sparte nicht einfach in Stich lassen. Der Schießsport im Gehörlosensport muss weiterleben. Nächste Woche ist Trainingslager in Eppan / Italien und Mitte Oktober der letzte Wettkampf für die Saison im Gehörlosen Schießsport. Unter Hörenden beginnt die Saison für 2019 schon im Oktober. Man sieht, dass ich fast keine Pause habe. Pausenlose Wettkämpfe.

Gibt es große Unterschiede beim Sportschießen (Vergleich hörend nicht hörend)? Und wenn ja, kannst du uns die Unterschiede kurz schildern?

Bei Vorkämpfe oder Trainingseinheiten gibt es schon Unterschiede. Das Absetzen des Hörmittels wie Hörgeräte ist man von der Außenwelt abgeschnitten. Aber es ist beruhigend, man merkt die Nebengeräusche außer Schüsse nicht. Das Nachteil aber ist das Nichtmitkriegen eines Kommandos wie „Stopp“, „Start“ oder „Feuer einstellen“. Da muss die Aufsicht an die Person ran und hinweisen. Das lenkt etwas ab. Das Brutalste ist das Finalschießen. Die hörenden Schützen konzentrieren sich auf die Scheiben und hören dann die Ansage. Ich und andere dagegen müssen zum Schiedsrichter immer hinüberschauen, wann es weitergeht (auch wo und wie er dasteht). Man sieht auch das Publikum. Dabei sind wir stark abgelenkt. Sportlich unfair, aber es ist halt so. Man muss mit allem rechnen. Insgesamt kann man ohne Hörgeräte trainieren, um sich daran zu gewöhnen. Gleichgewichtsstörung bearbeiten. Gefährlich wird es meistens, wenn die Konzentration mitten im Wettkampf vernachlässigt. Alles zu still, wirds langweilig, macht dann komische Gedanken und schon kann passieren, dass dann ein paar Schüsse schief gehen.

Sieht man dich wieder als aktiven Sportler bei Deaflympics?

Vor paar Wochen habe ich mich entschieden, in die Nationalmannschaft zurückzukehren. Diesmal als Pistolenschütze. In diesem KK-Bereich mangelt es an Nachwuchs und Leistung. Da ich meist unter die ersten 3 Plätze kam, war ich richtig fit. Ich war von 1990 bis 2015 als aktiver Gewehrschütze im Kader. Ich war dann so ausgebrannt und mein Körper hat mir damals das Signal gegeben, dass ich aufhören musste. Ob ich an den Deaflympics teilnehmen werde, lasse ich noch offen, es kommt auf die Entwicklung an.

Wie sieht dein aktuelles Training aus?

Ich trainiere gut 1-2x die Woche kurz vor den großen Events. Wenn man sich mein Kalender anschaut, bin ich meist zu diesen Wettkämpfen unterwegs. In einer Saison kann ich so ungefähr antworten: 30 Punktspiele, 40 Einsätze bei den Meisterschaften. Dazu kämen unter Gehörlosensport ca. 25 Einsätze sowie Turnierveranstaltungen.

Danke dir Ingo!!! Weiterhin viel Erfolg und vor allem sehr viel Gesundheit!

Weitere Informationen unter: https://www.dsb.de/deutsche_meisterschaften/

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